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The Never Ending Story
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Nachdem ich das Buch „Feuchtgebiete“ gelesen habe ist mir ein Teil meiner eigenen Lebensgeschichte in den Kopft gekommen

Ende der 1980er Jahre war ich in einer großen Schmiede beschäftigt wo man den ganzen Tag mit großer Hitze gearbeitet hat. Natürlich war man zur der Zeit, Sommer wie Winter bei der Arbeit immer am schwitzen. Wenn man mal kurz eine Pause eingelegt hatte, hat  man sich auf das abgekühlte Material gesetzt. Wie sich später noch heraus stellen sollte, war das für meinen Hintern eine fatale Entscheidung. Im Mai 1989 bekam ich ein spannendes Gefühl an meiner linken Po Backe. Aus dem spannenden Gefühl wurde eine kleine Beule, die kleine Beule wurde immer ein wenig größer nachdem ich auf dem Klo war und Stuhlgang hatte. Nachdem die Beule die Größe eines Tennisballs erreichte wurde der Schmerz schon langsam unerträglich, aber natürlich wollte man mit so einer Beule an einer so prekären Stelle nicht zum Arzt, also habe ich den Schmerz weiterhin ertragen und so weiter gelebt. Nur wenige Tage später hatte die Beule die Größe großen Orange bekommen und jeder Schritt war die Hölle, an sitzen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken und der erste Arztbesuch bei einem Internisten war fällig. Der gute Doktor hatte so etwas auch noch nie gesehen und meinte aber dass das mit einer Zugsalbe schon zu bewerkstelligen sei. Meine Frau hat mir dieses ekelig riechende schwarze Zeug auf meine Mega-beule geschmiert wobei ich fast an die Decke gegangen wäre, ich kann nur sagen das jede Berührung Höllen-schmerzen bedeuteten.

Nach ein paar Tagen erfolgloser Zugsalben Behandlung hatte die Beule die Größe einer Pampelmuse bekommen und das Schmerz empfinden steigerte sich in den Wahnsinn. Am Tag X habe ich es nicht mehr ausgehalten, da ich durch den ständigen Schmerz schon fast Wahnsinnig wurde. Meine Frau hat mich ins Krankenhaus gefahren, sie Am Steuer und ich mir den Knien auf dem Beifahrersitz mit dem Po in Richtung Windschutzscheibe, sah bestimmt lustig aus. Im Krankenhaus angekommen wollte ich jedem an die Gurgel der immer um etwas Geduld gebeten hatte. Na endlich, ich wurde aufgerufen und sofort habe ich jedem der es sehen wollte meine Beule gezeigt. Zwei Ärzte im Zwiegespräch, „sollen wir auf den Anästhesisten warten?“, „nö, keine Zeit wir schneiden auf“. Mein Kopf flog herum zu den Spezialisten und ich stotterte, „von mir aus können wir gerne warten!“ Man muss sich vorstellen das ich kniend und mit den Händen abgestützt auf einer Behandlungsbank kniete und die zwei Kollegen ehr mit meiner Beule als mit mir redeten. Auf jeden Fall sah ich nur kurz etwas aufblinken und hörte nur noch, „mal bitte kurz die Zähne zusammen beißen“, und schon stach ein Skalpell in meine Mega-Beule ein.

Ein lauter Schrei von mir mit geballten Fäusten, ein lautes „buahäehigittigitt“, von zwei jungen Ärzten deren Kittel auf einmal komische Farben bekamen und mächtig zu stinken begannen. Habt ihr nun davon ihr Metzgerbande! In mir machte sich ein Gefühl der Erleichterung breit, ein Gefühl was ich schon ewig nicht mehr gehabt hatte. Wenn das Spannungsgefühl aus dem Hintern weicht ist das wie ein Sechser im Lotto, nur ohne Geld. Die zwei Jungärzte machten sich an das Verpacken meiner Wunde und ich fing mit den Nachverhandlungen wie ich die Wunde zu Hause weiter behandeln sollte. „Nix da“, sagte der eine der beiden Eiterkittel, „Sie melden sich auf Station 3 und lassen sich ein Bett geben“. Na toll, darauf hatte ich gar keine Lust, bei schönem sonnigen Wetter ein Bett im Krankenhaus auszufüllen. „Die Wunde muss jetzt noch richtig ausgegraben werden“ war der O-Ton des Stationsarztes, was immer das auch zu bedeuten mochte. Am nächsten Tag hatte ich schon den OP Termin, aber als letzter, weil die Drecksarbeiten mit viel Blut immer zum Schluss operiert werden. An dem Tag gab es für mich nur noch Astronautenkost, wirklich um kotzen das Zeug. Am Abend bekam ich eine widerlich schmeckende Flüssigkeit die meinen Darm entleeren sollte. Das Klo war gegenüber von meinem Zimmer auf der anderen Flur Seite. Wer das schon mal miterlebt hat was ich da getrunken habe, der weiß was da auf einem zukommt. Ich konnte meinen Namen auf die Wand schreiben mit dem was da hinten heraus kam, nicht nur von der Konsistent sondern auch von dem Druck der dahinter steckte. Das Schauspiel wiederholte sich ca. 10 mal in der Nacht und ich habe jedes mal gebetet dass das Klo frei ist wenn ich über den Flur laufe.

Am späten Nachmittag wurde ich dann in den OP geschoben und auf eine Art Entbindungsstuhl montiert. Wenigstens haben die Jungs diesmal auf den Anästhesisten gewartet, Gott sei dank! Ratz fatz habe ich ein Nickerchen gemacht und schon schrie mich jemand an und holte mich aus meinen Schlaf wieder raus, der Arsch. Nachdem ich dann wieder richtig wach und auf meinem Zimmer war fragte ich mich, wie kannst Du eigentlich aufs Klo gehen mit so einem riesigen Mullverband am Hintern. Zum Glück musste ich an dem Tag nur pinkeln. Am nächsten Tag kam dann aber irgendwann ein leicht drückendes Gefühl in der Magengegend die mir sagte, junge, so langsam solltest Du dich mal darüber informieren wie das mit dem Stuhlgang funktionieren sollte. Mit der Bett-klingel habe ich die Krankenschwester gerufen um ihr mitzuteilen das ich mal müsste. „Oh, kein Problem, ich rufe die Oberschwester“. Nach gefühlten 10 Minuten kam die Oberschwester un machte mir klar das ich dann mal wieder in Bauchstellung den Hintern Richtung Sonne strecken sollte. Sie hat dann liebevoll den Mullverband und die Hälfte meiner Arschhaare abgerissen. Das war schon ein erleichterndes Gefühl und ich dachte, schlimmer kann es ja nicht mehr kommen. Denkste Jörg.

Operationen am Hintern wo ein Krater ins Fleisch geschnitten wird können nicht vernäht werden un müssen von innen nach außen zuwachsen. Ohne dieses Wissen vertraute ich der Oberschwester als sie sagte, „das wird jetzt ein wenig ziehen wenn ich die Tamponage heraus ziehe“. Dass das Teil 2 Meter lang und voll von verkrusteten Blut war und aus einem tiefen Loch in meinen Hintern gezogen wurde, hat sie mir natürlich nicht gesagt. Ich dachte ja das die Not-Op schon schlimm war, aber das hat den Topf noch dem Deckel drauf gesetzt. Ich habe wie ein Bessener in mein Kopfkissen gebissen, das Gefühl was man dabei erlebt kann man mit nichts anderem vergleichen, einfach der Horror. Nachdem das Teil endlich raus war, musste ich komischer Weise nicht mehr aufs Klo. Natürlich kam das Gefühl dann doch irgendwann wieder und ich konnte zum ersten mal wieder normal auf das Klo gehen. Jetzt musste ja irgendwie die Wunde nach so einem Klo-Besuch gereinigt werden, wenn man kein Klo auf dem Zimmer hat, hat man auch keine Dusche. So musste ich in die Dusche auf dem Flur gehen, das Ding voller Wasser laufen lassen und eine Packung Kamilleextrakt  dazu geben. Dann setzt man sich schön mit den Hintern in die Dusche. Die Tür konnte man nicht zu schließen, war irgendwie so ein Gemeinschaftsding auf dem Flur. Jedes mal wenn ich mal wieder ein Sitzbad nehmen musste, kam irgend jemand herein und konnte sich ein blödes grinsen nicht verkneifen, toll.

In den Jahren wurde ich nun schon 6 mal an der selben Stelle operiert, da es in verschiedenen Zeitabständen immer wieder auftrat das mein Hintern dick wurde. Nach der sechsten OP habe ich mir gesagt, jetzt ist Schluss mit diesen sinnlosen Operationen, was die im Krankenhaus können kannst Du auch selber ausfechten. So habe ich bis heute mindestens 50 mal meinen Arsch platzen lassen und mit Sitzbädern immer wieder zuheilen lassen. Gestern Morgen merkte ich dann dass das mal wieder so weit ist und mein Hintern anfängt dick zu werden. Ja super dachte ich mir, so kurz vor der Prüfung kann ich das jetzt gar nicht gebrauchen. Gegen Mittag konnte ich dann vor Schmerzen nicht mehr sitzen und habe Feierabend gemacht. Auf dem Zimmer angekommen habe ich mich sofort ins Bett gelegt um den Schmerz ein wenig aus dem Weg zu gehen. Geschlagene 12 Stunden am Stück habe ich geschlafen und lag dann von 01:15 Uhr in der Nacht wach im Bett. Bis heute Morgen habe ich mich dann noch im Bett herum gewälzt wo ich dann um 6:30 Uhr aufgestanden war. Mein Hintern hatte zu der Zeit schon wieder eine Tennisball große Beule aufgebaut. Die Bewegungen beim Gang zur Mensa wurde dann schon wieder unerträglich, so habe ich beschlossen direkt nach dem Frühstück zum Medizinischen Dienst im BFW-Köln zu gehen. Im Wartezimmer hatte ich mich vorsichtig auf einen Stuhl gesetzt mit der Hoffnung das die blöde Beule doch bald aufplatzen solle. Aus jahrelanger Erfahrung habe ich profilaktisch schon vorher eine Kompresse an die Beule gelegt, falls das Ding platzen sollte suppt das Zeug dann nicht in die Hose. Irgendwie wurde es auf einmal warm am Hintern, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Schnell aufs Klo und schon war die Gewissheit da, die Beule hat den Kampf verloren. Hintern sauber gemacht und schnell eine frische Kompresse an die jetzt offene Wunde gepappt.

„Herr Jörg Schadwill bitte“, ah Frau Doktor hat Zeit für mich. Ich ihr die Sache erklärt und dann kam die Frage die kommen musste, „soll ich mir das mal anschauen“? Ja, nö, ähm,  wenn Sie unbedingt wollen. Aus ihrer Frage hörte ich schon etwas Unglaube heraus und ich dachte mir nur, warte nur ab. Wir in das Verbandzimmer, Frau Doktor noch schnell die Schwester dazu gerufen und ich schon mal den Hintern frei gelegt. Ich habe der Frau Doktor dann erstmal erklärt wie wir am besten an die Sache heran gehen und schon habe ich mich mit dem Oberkörper auf die Liege gebeugt. Mit dem Hinweis von mir das Frau Doktor ganz tief unten schauen müsste, hat sie meine Wunde entdeckt. Aus dem ungläubigen Blick ist ein erstauntes und fast panisches Gesicht geworden. „Herr Schadwill, das muss operiert werden, sie müssen sofort zum Chirurgen“. „Nö nö“, sagte ich nur, „das ist jetzt bestimmt das 51. mal das mir der Arsch geplatzt ist, das ist schon ganz normal“. „Wie halten sie die Schmerzen aus“, fragte mich Frau Doktor, „wollen Sie etwas gegen die Schmerzen nehmen?“ „Ich nehme eh schon jeden Morgen 80mg Morphium, ich denke dass das reicht“. Die Augen wurden nochmals größer, das sah mir jetzt schon nach einem Wettrüsten zwischen Frau Doktor und der Krankenschwester aus. Fakt ist, ich bin für den Rest der Woche krank, damit ich nächste Woche wieder sitzen kann. Denn zur Prüfung muss mein Hintern wieder fit sein!

In diesem Sinne wünsche ich allen ein Beulen freies Hinterteil. 😉