Die Schattis auf dem Trödelmarkt
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Sonntag, den 19.10.2014 war es nach langer Zeit einmal wieder soweit, nach Jahre langen schlendern über die Märkte, haben meine Frau und ich selber einen Stand auf einen Trödelmarkt betrieben. Dank Internet kann man sich heute einen Platz auf einen Trödelmarkt reservieren. So haben wir schon im September zwei mal drei Meter via Internet gebucht und per Vorkasse bezahlt. Wir selber brauchten für unseren Stand nur drei Meter Verkaufsfläche, die anderen drei Meter war für ein befreundetes Pärchen, die ebenfalls ihren Keller von Deko- und anderen Artikeln befreien wollten. Um nicht zu spät auf dem Platz, ein Parkplatz vor einem großen Möbelhaus, anzukommen, haben wir uns für 5.45 Uhr vor unserer Haustüre verabredet, um dann auch um 6.00 Uhr in der Früh pünktlich dort zu sein. Nach einer Frage wo wir uns aufbauen dürfen, haben wir unsere Plätze zugeteilt bekommen und fingen sofort an unsere Autos zu leeren. Schon praktisch, dass man seine Autos an einem Trödelmarkt direkt hinter seinem Verkaufsstand stellen darf. Meine Frau und ich waren so clever, dass wir unser Auto so gepackt hatten, das wir das was wir als erstes brauchten gleich zur Hand hatten.

Der Pavillon musste natürlich als erstes aufgebaut werden. Wir haben zum Glück einen modernen Pavillon, den braucht man nur wie eine Ziehharmonika auseinander ziehen und fertig ist der Regen- oder Sonnenschutz. Den Pavillon hatten wir den ganzen Sommer im Garten aufgebaut gehabt und fanden es blöd, diesen mit Heringen und Schnüren zu sichern. Da es praktische Gewichte für die Beine des Pavillons gibt, haben wir diese recht günstig im Internet erstanden. Am Abend zuvor habe ich die Gewichte mit Wasser gefüllt, kann man aber auch mit Sand befüllen, aber das Wasser konnte ich nach dem Trödelmarkt gleich wieder auskippen. Die alten Tapeziertische mussten als Verkaufstheke her halten, diese wurden natürlich als nächstes aus dem Auto geholt und aufgebaut. Meine Frau dekoriert sehr gerne, natürlich mussten dann auch die Tische mit alten Bettlaken dekoriert werden, das Auge kauft schließlich mit. Die Trödelware hatte meine Frau über zwei Wochen aus allen Ecken des Hauses zusammen gesammelt und in praktischen Boxen verstaut, die mir mein Arbeitgeber freundlicher weise zur Verfügung gestellt hat. Wir brauchten also nur die Boxen nach und nach aus dem Auto zu holen und meine Frau dekorierte mit dem Trödel die ebenfalls dekorierten Tapeziertische. Das was man nicht aufbauen und zur Schau stellen konnte, ließen wir einfach in den Kisten und haben diese vor unserem Stand in einer Reihe wie zum Spalier aufgebaut.

Schon als wir dabei waren die Pavillons aufzubauen, suchten die ersten Schnäppchenjäger mit einer Taschenlampe bewaffnet, nach den besten Schnäppchen. Eigentlich finde ich so etwas lästig und unhöflich, da diese Menschen einen schon sehr stören wenn man seine Sachen erst einmal auspacken möchte. Unsere Freunde hatten sich ebenfalls einen Pavillon besorgt, der genauso funktionierte wie unserer, das erleichterte das schnelle aufbauen ungemein. Rechts neben unserem Stand war noch eine Lücke frei, die diesen Stand gemietet hatten waren wohl nicht so motiviert wie wir oder wollten einfach länger schlafen. Erst als wir komplett fertig waren und uns in unseren mitgebrachten Campingstühlen kurz ausruhen wollten, kamen unsere Nachbarn für einen Tag und stellen sich mit ihrem Auto plus Anhänger genau vor unserem Stand. Dafür, dass unsere Klamotten dabei hatten die eher an einem gewerblichen Händler erinnerten, fanden wir deren Ausstattung mehr als veraltet. Deren Pavillon war noch einer der ersten Generation, schwere Eisenstangen die man noch von Hand ineinander stecken musste und wo die Plane erst zum Schluss darüber gezogen wurde. Dazu kam, das die ganze Familie nebst ca. 10 Jahre altem Sohn am Aufbau und am Verkauf beteiligt waren.

Die Art und Weise wie sie den Trödlern ihren Stand präsentierten, hat sich indem von unserem dann doch sehr stark unterschieden. Während wir den Pavillon fast für uns hatten und somit genügend Platz auch für uns selbst, hatten sich die Nachbarn ihre Bierzeltgarnituren in einer U-Form unter dem Pavillon aufgebaut. Die Kunden konnten auf diese Weise unter den Pavillon gehen und auf drei Seiten schauen, ob etwas für sie dabei wäre. Die Familie selber saß dafür auf einer Holzbank hinter dem Pavillon und hatte sich die Hintern mit Styropor gepolstert. Wenn wir dort hinüber geschaut haben, waren wir doch froh gewesen, dass wir auf gemütlichen Campingstühlen saßen und auch mal die Beine ausstrecken konnten. Natürlich konnten wir auch den Schatten unseres Pavillons sehr gut nutzen, während die Nachbarn den ganzen Tag die Sonne im Nacken hatten.

Gegen 7.00 Uhr am Morgen hatte der Mann seinen Wagen dann doch geschafft vor unseren Stand weg zu setzen und wir hatten endlich freien Blick auf die sich aufbauende Gulaschkanone, die gleich bei uns gegenüber platziert war. Nicht viel später baute sich zu unserer linken, zwei Stände weiter eine Grillbude auf. Ich scherzte noch, „na was essen wir heute Mittag, Gulasch oder Grillwürstchen?“ Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn meine Frau hatte eine Kühltasche fürs Frühstück dabei und unsere Freunde hatten Nudelsalat mit Frikadellen.

Um 9.00 Uhr stand die Sonne schon so hoch, dass wir von dieser schon schön erwärmt wurden. Das war auch der Zeitpunkt, wo es auf dem Trödelmarkt immer voller wurde. Obwohl es ein Sonntag war, hatten alle benachbarten Geschäfte und Discounter ihre Parkplätze abgesperrt, was natürlich den Besuch für viele Menschen erschwerte. Was sich die Inhaber dieser Geschäfte davon versprechen, kann ich leider nicht nachvollziehen. In dieser Zeit hatten wir allerdings schon so viel unserer angebotenen Waren verkauft, das wir ab jetzt Plus machen würden. 12 Euro zahlt der normale Trödler pro Meter auf diesen Markt. Für den Service und die Organisation die der Veranstalter vor Ort leistet, fanden wir den Preis mehr als fair. Gerade für Frauen ganz wichtig, Toiletten! Der Veranstalter hatte drei mobile Toiletten aufbauen lassen, die nach jeder Benutzung vom Personal gereinigt wurden. Da zahlt man gerne für seine Notdurft einen Obolus von 0,50 €. Für Mehrfachgeher gab es sogar eine Zehnerkarte, die dann nur 4,00 € kostete. Praktischer Weise haben wir uns diese Karte mit unseren Standnachbarn geteilt und somit wieder clever Geld gespart.

Für 10.00 Uhr hatte sich meine Mutter angekündigt die mit ihrer Freundin über den Markt schlendern wollte um für sich und meinen Vater neue Romane zu ergattern. Praktischer Weise hatte sie uns frische Brötchen vom Bäcker mitgebracht, die dann mit in der Kühltasche transportierten Belag belegt und verzerrt wurden. Zu dieser Zeit war der Trödelmarkt auch schon richtig voll und man konnte sich kaum eine Pause leisten, da ständig interessierte Menschen vor unserem Stand Fragen beantwortet haben wollten. Für einen der den Umgang mit Kunden nicht gewohnt ist, kann das schnell in Stress umschlagen. Zum Glück sind weder meine Frau noch ich auf dem Mund gefallen und wir konnten so alle Fragen und noch wichtiger unsere Waren an dem Mann bzw. an die Frau bringen. Ich kann auch jetzt nicht behaupten wer mehr Kaufkraft hat, ob es die Männer oder Frauen sind. Überraschungen gibt es aber doch immer wieder. Ich dachte dass der Verkauf oder der Kauf von Tupperware reine Frauensache wäre, da hat mich ein Mann aber absolut vom Gegenteil überzeugt. Meine Frau hatte jede Menge dieser Plastikdosen aus Amerika dabei, da sie früher auch mal eine sogenannte Tuppertante war und diese auf Tupperpartys verkauft hatte. Der Mann allerdings, der sich für die Dosen von uns interessierte kannte jede Dose mit Namen und fragte mich ob es aus dieser Serie noch die oder die Dose gibt. Da staunte ich nicht schlecht und habe meine Frau zu mir beordert, die dann schnell das Kommando übernommen hatte.

Bis zum Mittag lief es dann sehr gut und wir waren angenehm überrascht, wie viele Sachen wir doch schon verkauft hatten. Ich habe schon am Morgen zu meinem Nachbarn gesagt, dass man ab Mittags kaum noch Geschäfte macht, da dann nur noch Menschen zum Spazieren über den Trödel gehen und nur selten noch etwas kaufen. Da es sich genauso eingestellt hatte wie ich es vorhergesagt hatte, konnte man sich jetzt auch mal mehr Zeit für Freunde nehmen, die natürlich auch über den Markt schlenderten. Selbst Freunde die man schon Jahre nicht mehr gesehen hatte, traf man nun endlich einmal wieder und man hat sich gegenseitig auf den neusten Stand gebracht. Selbst unsere jüngste Tochter mit ihrer kleinen Familie kam zu uns an den Stand und hat sich im Schatten unseres Pavillons mit Freund und Kind eine Pause gegönnt. Die lieben waren sogar solange geblieben um uns auch mal eine Pause zu gönnen und unsere Tochter hatte den Verkauf geleitet. Vielleicht hat sie ja auch einmal Interesse an einem eigenen Stand? Zum Nachmittag hin konnte man uns allen anmerken, dass das lange stehen und kaum bewegen doch sehr an die Kondition geht und wir über jede Minute im Campingstuhl glücklich waren. Leider wurden diese auch immer wieder von Familienmitgliedern belegt, die bei uns eine Pause eingelegt hatten und dann auch noch von uns bewirtet wurden.

Die Frage ob wir uns etwas vom Grill oder der Gulaschkanone zum Essen holten, hatte sich spätestens dann erledigt, als unsere Freunde mit Nudelsalat und Frikadellen vor uns standen. Nach dem reichlichen Mahl wurden wir noch gemütlicher und ab 15.00 Uhr hat man nur noch auf die Uhr geschaut, da man eigentlich keine Lust mehr hatte. Aber zum Abbauen war es noch viel zu früh, da es immer noch sehr viele Besucher gab, die doch noch das ein oder andere Teil gekauft hatten. Uns sollte es nur Recht sein, schließlich musste man so weniger wieder in das Auto packen, was wir dann verkauft hatten. Den ganzen Tag hatte ich darauf gehofft, dass irgendjemand die Motorradjacke meiner Frau kauft. Leider war diese für einen Mann zu schwer und einer Frau war sie ein wenig zu groß. Verschenken wollten wir diese allerdings auch nicht, denn Qualität hat nun mal seinen Preis und 40.00 € für eine moderne voll gepolsterte regenfeste Jacke ist ja wohl nicht zu viel verlangt. Komischer Weise war meine Motorradhose, die eine Zwischengröße hat, schon am frühen Morgen verkauft worden. Das war auch mein letztes Teil aus meiner Motorradkariere und ich kann nun einen Strich darunter ziehen. Für die Jacke meiner Frau gibt es bestimmt noch einen Käufer, auf einen anderen Trödel.

Um 17.30 Uhr haben wir dann angefangen abzubauen, nachdem die Nachbarn im Umkreis auch alle angefangen hatten. Ein penetranter Trödler fing an seine Sachen zu verschleudern, erst sollte jedes Teil nur noch einen Euro kosten, zum Schluss waren es dann nur noch fünfzig Cent. Es ist persönlich egal was jemand mit seinen Sachen macht, aber wenn man ständig seine Werberufe in den Ohren hat, die sich ständig widerholen, dann will man dem am liebsten seine Sachen in den Hals stopfen. Wir selber hatten so viel verkauft, das wir jetzt jede Menge Platz in unseren Kisten hatten und ratz-fatz waren unsere Waren im Auto verschwunden. Schnell noch die Tapeziertische zusammen geklappt und den Pavillon ebenfalls in seine Tasche gestopft, fertig. Auch unsere Nachbarn konnten sich über mehr Platz im Auto freuen und waren gleichzeitig mit uns fertig geworden. Wir haben uns dann noch von unseren Freunden verabschiedet und haben uns dann auf dem Heimweg gemacht. Im Auto merkten wir dann doch sehr schnell, dass wir einen riesigen Hunger hatten. Den Vorschlag meiner Frau, das Auto zuhause abzustellen und dann mit dem Privatwagen zu unserer anderen Tochter und ihrem Verlobten zu fahren um sich dort etwas zum Essen zu bestellen, wurde sofort von mir angenommen. Schließlich haben sich die Beiden den ganzen Tag um unseren Hund gekümmert, da war es nur selbstverständlich, dass wir uns mit einem Döner bedankten. Nach dem Abendessen sind wir dann aber schnell nachhause gefahren um sofort ins Bett zu fallen. Das Auto wurde erst am nächsten Tag ausgeladen, so viel Zeit musste sein.

6 Gedanken zu „Die Schattis auf dem Trödelmarkt
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  1. Frizzi

    Huhu Schatti!

    Puh, da hattet ihr aber einen anstrengenden Tag hinter euch! Super, dass es so super lief.

    War es ein seltsames Gefühl, die Motorradhose zu verkaufen? Ich stell es mir sehr schwer vor, ein jahrelanges Hobby hinter sich zu lassen. Ich spiele total gerne und komm davon jedenfalls nicht so einfach los. *lach*

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Frizzi 🙂

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  2. Lias

    Früher war ich jedes Wochenende auf dem Flohmarkt. Ich habe es geliebt nach Schnäppchen zu suchen es gab da bei mir einen Riesen Flohmarkt den sie leider abgeschafft haben und lieber Häuser auf dem Grünstück gebaut haben schade. Jetzt gibt es hier nur noch sehr kleine und es macht da einfach keinen Spaß mehr.

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  3. Pigmentflecken entfernen

    Für mich und meine Frau ist ein Bummel über einen Flohmarkt immer eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Da sind oft Sachen zu sehen, die man als Kind hatte und an die man sich gar nicht mehr erinnert hat.

    VG Jan

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