Arbeitswoche eines Selbstmörders
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Bitte nicht nachmachen, alle Stunts wurden von Profis ausgeführt!

Montag  Wie jeden Montag wache ich absolut depressiv auf und möchte eigentlich nur kurz in die Garage um mir einen Strick zu holen. Aber sollte ich unerwartet einen Nachbarn treffen, kann ich dem nicht mit meinem Mundgeruch entgegnen, also, erst einmal Zähne putzen! Schnell die Morgen-Toilette hinter mir gebracht und ab in die Garage. Der Strick ist da wo ich ihn vermutet hatte, prima. Zurück in der Wohung muss ich nur noch den Stuhl unter die Treppe stellen und dann kann es losgehen. Ich stehe auf dem Stuhl, habe den Strick eng um den Hals gelegt und dann, sehe ich das Leergut in der Ecke stehen. Scheiße, so kann ich nicht abtreten, was wenn das einer sieht. Strick vom Hals gelöst, Leergut ins Auto gepackt und ab zum Diskounter. Warum sind alle Rentner der Stadt eigentlich immer eher vor mir an dieser Leergutrückgabemaschine? Nach 2,5 Stunden warten vor dem Teil, weil Oma Lotti jeden Bong mit ihrer Lupe kontrollieren musste, kam ich total erschöpft nach hause. Heute bin ich viel zu kaputt für einen Selbstmord, Morgen ist auch noch ein Tag!

Dienstag  Ich hatte mir extra den Wecker gestellt um früh aus dem Bett zu kommen, 5 nach 11 ging der Radiowecker an, Nachrichten interessieren mich nicht mehr. Um nicht ständig über den Stuhl zu stolpern, hatte ich den Strick und den Stuhl mit letzter Kraft gestern noch weggeräumt. Nach dem Zähneputzen(wegen der Nachbarn), bin ich wieder in die Garage, Strick geschnappt und dann, was ist das denn, der Wagen ist ja total dreckig, so kann ich nicht abtreten. Ab in die Waschanlage. Bei dem sonnigen Wetter ist die Schlange verdammt lang vor der Waschanlage! Drei Stunden später und total durchgeschwitzt und hungrig komme ich aus der Waschanlage. Mit leeren Magen kann ich nicht sterben. Ein paar Eier in die Pfanne gehauen, Zwiebeln und Speck dazu, abgerundet mit Salz und Pfeffer habe ich mir ein deftiges Omelett gemacht. Mit so vollen Magen kann ich nicht sterben, Morgen ist auch noch ein Tag.

Mittwoch  Heute brauch ich nicht wieder in die Garage, ich hatte den Strick nach der Waschanlage mit in die Wohnung genommen. Morgentoilette kann ich mir auch sparen, was interessiert es dem Leichenbeschauer ob ich Mundgeruch habe. Rauf auf dem Stuhl, Strick um den Hals und dann, was ist das denn scho wieder? Das ganze Geschirr von gestern steht noch in der Küche, und saugen könnte ich eigentlich auch mal wieder! Diese harten Haushaltsarbeiten hatten mich den ganzen Tag auf die Beine gehalten. Um 14.00 Uhr bin ich total erschöpft auf das Sofa gesackt und eingeschlafen. Morgen ist auch noch ein Tag!

Donnerstag  Heute muss es funktionieren, alles ist perfekt, der Wagen gewaschen, die Küche gesäubert und sogar frische Handtücher hängen im Bad. Aus dem Bett rauf auf den Stuhl und schnell den Strick um den Hals. Ding dong. Nein, die Türklingel, wer ist das denn jetzt? Strick ab runter vom Stuhl und mit Boxerschorts und einer halben Morgenlatte zur Tür. „Dürfen wir mit ihnen über Jesus sprechen“, zwei Zeuginnen Jehova standen mir staunend und nur auf das eine starrend gegenüber. „Ficken?“, schoss es mir aus dem Mund. „Gerne, danach reden wir aber über Jesus!“ War natürlich nur ein Wunschdenken meiner Seits, ich stotterte mir etwas zurecht und wollte sie nur schnell wieder loswerden. Aber der Gedanke an Jesus, Glauben und das Leben, haben mir den Tag und meinen Freitot ordentlich versaut. Morgen ist auch…..

Freitag  Zum Ende der Woche bin ich nicht so depressiv wie am Anfang der Woche. So war auch mein erster Gedanke nicht an den Strick und dem Stuhl. Ich habe in Ruhe die Morgentoilette hinter mir gebracht, mir ein ordentliches Frühstück zubereitet und natürlich gleich danach die Küche wieder aufgeräumt. Ich hatte sogar Zeit noch den Sauger zu nehmen und die Wohnung zu saugen. Nachdem alles zu meiner absoluten Zufriedenheit war, konnte ich in Ruhe auf den Stuhl steigen und mir in aller Ruhe den Strick um den Hals legen. Gerade als ich den Stuhl wegtreten wollte, klingelte das Telefon, Scheiße! Kaum hatte ich den Hörer in der Hand, hörte ich meine Ex Frau in den Hörer schreien, „Du weißt das Du an diesem Wochenende die Kinder hast!, hol sie gefälligst pünktlich um 12.00 Uhr im Kindergarten und danach in der Schule ab!“ Bevor ich überhaupt einen Ton erwiedern konnte, hörte ich auf der anderen Seite den Hörer in die Gabel fallen. Toll, am Montag kaufe ich mir eine Knarre! Schönes Wochenende.

3 Gedanken zu „Arbeitswoche eines Selbstmörders
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  1. Dachdecker Berlin

    Eine böse dennoch noch zu nachvollziehbare (Satiere?) Geschichte.
    So wie das Leben spielt 😀
    Konnte garnicht aufhören zu lesen, dabei lese ich echt nicht gern…
    Das soll was heißen 😉
    Weiter so!

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  2. Sarah

    richtig gut geschrieben :). Schöner böser Humor im Satire Stil.
    Rentner & der Pfandautomat haha :D. Des stimmt aber echt!

    mach weiter so!

    Viele Grüße

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