Letzte Rettung DOC?
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Braucht unbedingt jede größere Stadt ein Designer Outlet Center?

Remscheid ist die Stadt in der ich geboren wurde, in der ich lebe und den größten Teil meines Lebens verbracht habe. Mittlerweile bin ich 44 Jahre alt und habe schon viele Veränderungen in meiner Heimatstadt miterleben müssen. Was mich persönlich am meisten getroffen hat, war der Abriss unseres guten alten Hauptbahnhofes, auch wenn dieser nicht an ein großes Schienennetz angeschlossen war bzw. ist. In meiner Kindheit war die Stadt von der Industrie geprägt, die größten Arbeitgeber waren Metall verarbeitende Firmen und Konzerne. Nach und nach sind die großen Konzerne aufgrund kostengünstigere Produktionen ins Ausland abgewandert. Mit der Abwanderung der Konzerne sind natürlich auch die Menschen in unserer Stadt weniger geworden. Von damals an die 120.000 Einwohner, sind es heute noch knapp 100.000 Menschen die in Remscheid leben.

Ein Spiegelbild einer Stadt stellt immer die Einkaufsmeile in der die Einwohner ihr hart verdientes Geld ausgeben können. Unsere Allee-Straße war früher eine blühende Fußgängerzone mit allen Geschäften die man brauchte, um sich mit Kleidung, Technik, Möbel, Lebensmittel usw. einzudecken. Heute gibt es viele Läden die leer stehen oder ein 1€ Laden jagt den nächsten. Es gibt auch jede Menge Futterbuden, aber Geschäfte in denen man sich anständig einkleiden möchte, findet man so gut wie gar nicht mehr. Modeläden gibt es natürlich auch noch, aber wenn man sich einen Anzug auf Maß gönnen möchte, muss man schon in den großen Städten nach Köln oder Düsseldorf fahren.

Um wieder mehr Menschen nach Remscheid zu locken, soll jetzt ein Designer Outlet Center in unsere Stadt gebaut werden. Der erste Gedanke daran ist natürlich ein positiver, aber das was hier in Remscheid passiert, ist schon einer Großstadt nicht mehr würdig. Schuld an dieser Misere ist unsere Frau Oberbürgermeisterin. Wir haben im Remscheider Stadtteil Lüttringhausen eine Ortschaft mit dem ländlichen Namen „Blume“. Dort sollte zuerst dieses DOC entstehen. Jahre lange Verhandlungen mit den Eigentümern war die Folge und letztendlich hing es an einem Bauern, der sein Land nicht verkaufen wollte. Die Betreibergesellschaft hat es dann doch geschafft den Bauern zum Verkauf zu überreden und binnen kurzer Zeit wurde extra eine neue Autobahnanbindung an die A1 aus dem Boden gestampft. Der Standort wäre für die Stadt und auch alle die als Kunden für das DOC in Frage kommen würden ideal gewesen. Nur leider war unsere Frau Oberbürgermeisterin in Düsseldorf beim Landtag nicht in der Lage das Ok für den Bau einzuholen.

Mit dem Versprechen an die Remscheider, sie würde alles dafür tun um das DOC an die Blume zu bekommen, machte Frau OB ihren Wahlkampf und die Remscheider haben sich von ihr mal wieder blenden lassen. Denn gleich nach der letzten Landtagswahl 2012, sollte das DOC auf einmal an der Altstadt von Remscheid-Lennep entstehen. Kein Wort mehr über den Standort Blume und die Versprechen der Oberbürgermeisterin. Jetzt soll dieses DOC an eine Altstadt entstehen,  was verkehrstechnisch absolut ungünstig für alle Autofahrer sein wird. Schon heute ist die eine Straße, die Remscheid mit Lennep und die Nachbarstadt Radevormwald verbindet total überlastet. Da braucht man kein Verkehrsfachmann zu sein um sich ausrechnen zu können, dass das wenn es so kommen sollte wie geplant, es zu einem absoluten Chaos führen wird.

Mit dem Standort Blume war ich auch noch ein Verfechter dieses DOC, da es auf der einen Seite wieder Arbeitsplätze in die Stadt bringt und auf der anderen Seite wieder viel mehr Auswahl für die Remscheider Bürger geben wird. Mit dem Standort Lennep bin nicht nur ich gegen diesen Bau, sondern bestimmt tausende von Anwohnern und Pendlern, die jeden Tag diese Strecke fahren müssen, wo bald dieses DOC entstehen soll. Wenn man bedenkt, dass dieses DOC eine Fläche von 20 Fußballfeldern einnimmt, kann man sich ungefähr vorstellen, was alles bewegt werden muss um Platz für so einen Kollos zu schaffen. Es wird wieder eine große Veränderung in unserer Stadt geben, ob es zum guten oder zum schlechten wird, bleibt abzuwarten.

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